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Warum ich den Werbeblocker nicht ausschalte

Desöfteren landet man auf einem Blog oder einer Website, die den User auffordert, den Werbeblocker auszuschalten, damit die Autoren ihren Service weiter betreiben und ihre Kosten decken bzw. davon leben können. Das fängt bei normalen Blogs an, geht über Nachrichtenportale wie beispielsweise Golem.de und endet bei großen Firmen wie United Internet, die es eigentlich nicht nötig haben sollten und dem unerfahrenen User dann auch noch gleich dreiste Lügen über eine Gefährdung des Computers, hervorgerufen durch Werbeblocker, erzählen.

Im folgenden möchte ich ein paar Gründe darlegen, warum ich solchen Aufrufen nicht beziehungsweise nur sehr, sehr selten nachkomme.

Werbung nervt

Das Argument ist offensichtlich und so alt wie die Werbung an sich, sollte jedoch trotzdem angesprochen werden. Zudem sollte es näher klassifiziert werden. Werbung im Internet nervt in der Regel besonders. Wenn ich im Kino 20 Minuten Werbung anschauen muss stört mich das nicht weiter. Oft bin ich so auf interessante Filme aufmerksam geworden oder ich konnte nochmal kurz aufs Klo gehen, ohne etwas vom Film zu verpassen. Werbung im Fernsehen stört da zwar ein bisschen mehr, tut mir aber eigenntlich auch nicht weh - immerhin muss man beim Fernsehen auch mal auf die Toilette oder man zappt mal schnell durchs Programm. Werbung am Straßenrand oder in Zeitungen ist auch nicht weiter schlimm - solange sie nicht ablenkt oder stört. Was ist bei Werbung im Internet dann anders und warum schreibe ich diesen Blogpost? Werbung im Internet nervt, weil sie von den technischen Fortschritten profitiert. Sie wird automatisch ausgeliefert, platziert und tut Dinge, die die anderen Formen von Werbung nicht tun. Blinken und Bewegen zum Beispiel. Oder sie legt sich in den Vordergrund, über den Inhalt der Website. Sie spielt Musik ab. Sie lenkt mich vom Content ab und stört mich. So mancher mag vielleicht nun Einwenden, dass Fernsehwerbung sich auch bewegt, im Vordergrund ist und Musik macht. Der kleine Unterschied ist jedoch, dass es in der Regel nicht nur eine lokale, sondern auch eine zeitliche Trennung von Werbung und Inhalten gibt. Wenn Werbung läuft versäumt man nichts und sie stört einen nicht während des Konsums. Da blinkende, laute Overlaywerbung viele Leute nervt, kümmern sich die Websitebetreiber, die die Userinteressen im Hinterkopf haben darum, dass solche Werbung schon gar nicht auf ihre Seiten gelangt. Damit werben sie dann auch und bitten einen höflich, den Werbeblocker abzuschalten, immerhin ist die Werbung ja jetzt erträglich und nicht störend. So einfach ist das aber dann doch wieder nicht:

Werbung verfolgt den User

Und zwar auf Schritt und Tritt. Da ein Browser alles ausführt und rendert was man ihm hinschmeißt ohne groß nachzufragen, hat es die Werbebranche hier auch sehr leicht. Es werden eindeutige Cookies angelegt und bei jedem Websitenbesuch abgefragt, diverse Javascripts sorgen brav dafür, dass sich der Browser beim Seitenaufruf und -Aufenthalt immer fein beim Werbenden meldet und möglichst viel über den Nutzer verrät, um künftig Werbung besser auf ihn abzustimmen. Hierbei handelt es sich wohl auch noch um die einfachsten Techniken, teilweise will man ja gar nicht wissen was die da tatsächlich tun oder gerade ausbrüten… Ich belasse es deshalb bei: Werbung spioniert uns aus. Sie verfolgt uns, protokolliert, was wir tun und hat noch nichteinmal um Erlaubnis gefragt. Gespeichert werden diese Daten meistens im Ausland, zum Beispiel in der USA. Was dann damit passiert und wie damit umgegangen wird kann man sich ja inzwischen hoffentlich denken.

Werbung kann gefährlich sein

Immerhin ist das auch nur ein Stück Code das von einem anderen Stück Code auf dem Computer des Besuchers/Opfers ausgeführt wird. So fängt man sich oftmals Malware. Dass das ein durchaus reales Szenario ist sieht man schon daran, dass es bei heise einen extra Themenbereich für Bugs im Werbeserver openx gibt. Da findet dann alle paar Monate jemand einen Bug in der Software, der von einem Angreifer dazu ausgenutzt werden kann, dass plötzlich statt “seriösen Anzeigen” Schund mit Virus ausgeliefert wird. Dass das auch den Allerbesten passiert hat Google mit verseuchten Youtube-Ads erst vor kurzer Zeit wieder bewiesen. Google. Google! Wenn selbst Google(!!) das nicht hundertprozentig auf die Reihe bringt dem User keine Malware auszuliefern will ich gar nicht wissen, wie das bei den anderen Werbenetzwerken aussieht. Da ich eigentlich kein Interesse an Malware habe, verzichte ich gerne auf den Angriffspunkt Werbung.

Dubiose Leute wollen mir irgendwelche Müll verkaufen

Das Argument habe ich anscheinend schon so verdrängt, dass ich es fast vergessen hätte. Ich finde es tatsächlich schon eine Frechheit, dass Werbung beispielsweise das Design von Systemdialogen nachbaut, um anschließend irgendein Problem seitens des Systems zu suggerieren. Die Lösung besteht häufig darin, irgendetwas irgendwo herunter zu laden und zu installieren, womit man schließlich noch mehr Müll, den man eigentlich gar nicht will, auf dem System hat. Wer so vorsätzlich Leute, die es einfach nicht besser wissen, täuscht, sollte sich auch gefälligst die Tränendrüse und den Moralappell sparen, wenn sich jemand doch mal einen Werbeblocker besorgt.

Geschäftsmodelle, die auf Werbung basieren, sind vielleicht gar nicht so toll

Zumindest im Internet. Ich sehe das grob in 3 Gruppen: * Man hat eine Dienstleistung, die Geld kostet und von der man leben kann. Der Webauftritt ist lediglich eine Art Service für den User. Da ich hier für keinen Werbung machen will nenne ich jetzt keine Beispiele. Wer sich das nicht so ganz vorstellen kann, soll vielleicht einfach mal bei den Automobilherstellern, Hard-/Softwarefirmen oder anderen Unternehmen, die irgendwas selbst Produziertes verkaufen vorbei schauen und mal nach Werbung für andere (fremde) Produkte suchen. Im Prinzip sind das die “Guten” - ich werde nicht komplett durch das Internet verfolgt um mir krampfhaft irgendwas zu verkaufen. Die Internetseite ist eine Art Service für (eventuell zukünftige) Kunden. Dass es hier auch Ausnahmen gibt, die einfach nicht genug haben können, zeigt das Einleitungsbeispiel United Internet. * Man hat etwas, das der User nur bei einem selbst haben kann. Sei es Information, Unterhaltung oder einfach aus einem bestimmten Grund für den User existenziell: Zum Beispiel zählen da alle Sorten von Games im Browser (die sind zwar eher Unterhaltung, für manche aber sicherlich auch leider schon existenziell) dazu - spätestens wenn die User einmal angefixt sind und sich im Spiel etwas aufgebaut haben, leben sie mit der Werbung - oder bezahlen dafür, sie nicht zu haben. Bei Browsergames funktioniert das inzwischen ganz gut, aber in anderen Sparten hat sich das anscheinend noch nicht so rumgesprochen, dass User gerne bezahlen, um im Gegenzug die Werbung los zu sein. Man sollte dem User jedenfalls die Möglichkeit bieten, Werbung los zu werden. * Man hat zwar Content, vielleicht sogar sehr guten, leider ist das Feld aber sehr umkämpft und die Konkurrenz bietet ähnliches. So geht es sicherlich vielen Onlinezeitungen, Blogs etc. Hier bietet sich auch eine Art Bezahlmodell an, sei es Flattr für Blogs oder eine Gebühr für einzelne Artikel/die Nutzung des Onlineangebots. Wenn man sich durch Qualität auszeichnet und die Benutzer richtig lockt, kann man davon sicherlich auch ein Onlineangebot samt Angestellten unterhalten.

Weil ich es kann

OK, das ist jetzt wirklich ein stumpfes Totschlagargument. Aber eigentlich auch eins, über das man mal genauer nachdenken sollte. Welchen Mehrwert bringt mir Werbung? Ich persönlich sehe da nichts Nennenswertes. Höchstens, dass sie die Services, die ich nutze, am Leben erhält. Da fallen aber die paar Euros, die ein einziger Nutzer über das Jahr generiert wohl eher in die Kategorie “Rundungsgenauigkeit” bei der Abrechnung. Insofern sehe ich für mich keinen vernünftigen Grund, Werbung nicht zu blockieren. Die meisten Nutzer bekommen die Werbung zu sehen und sorgen dafür, dass die große Mühle sich weiter dreht. Sie wissen eventuell nicht, dass man Werbung blockieren kann. Oder sie wissen vielleicht nicht wie es geht. Ich weiß es und das kann sich jeder binnen 5 Minuten aneignen. Wer es tut, wehrt sich meiner Meinung nach zu Recht gegen etwas das er nicht will, wer es nicht tut muss damit leben. Es soll ja auch tatsächlich Leute geben, die diese Werbung mögen.